Talking Head mit Managing Partner Dr. Alex Petrasincu, Hausfeld LLP.

Dr Alexander Petrasincu Hausfeld LLP

Die Juve Awards werfen ihre Schatten voraus. Laurence Simons sponsort dieses Jahr den Award für die Kanzlei des Jahres im Kartellrecht. Mit zu den Nominierten gehört die US Kanzlei Hausfeld, mit deren deutschem Managing Partner Dr. Alex Petrasincu (AP) unsere Kollegen Nicolai von Steinaecker und Alexander Gorny (LS) über die Nominierung im Speziellen und den Markt im Allgemeinen sprechen konnten – und wie die Kanzlei als sehr diverser Arbeitgeber mit einem respektvollen Miteinander besonders bei dem Nachwuchs punktet.

 

LS: Lieber Herr Dr. Petrasincu, herzlichen Dank, dass Sie sich heute die Zeit für den Austausch nehmen und herzlichen Glückwunsch zur erneuten Nominierung – aller guten Dinge sind drei, also steht dem Award im Oktober ja eigentlich nichts mehr im Wege?

 

AP: Da hätten wir sicher nichts dagegen! Jedenfalls sehen wir die erneute Nominierung klar als Auszeichnung für die Erfolge, die wir im letzten Jahr für unsere Mandanten erreichen konnten.

 

LS: Vielleicht sollte der Juve-Verlag darüber nachdenken, sein Ranking zu überarbeiten? Sie sind bei den großen Meldungen und Erfolgen stets ganz oben mit dabei, im Handbuch aber nicht. Legal500 sieht das ja auch anders.

 

AP: Ja und nein – wir bedienen ja mit unserem Fokus auf Kartellrecht in Digitalmärkten und Kartellrechtslitigation eine Nische in der Nische und entsprechend freuen wir uns grundsätzlich über die Anerkennung. Sie haben aber insofern recht, als dass wir mit 20 Kolleginnen und Kollegen, die sich rein im Kartellrecht bewegen eines der mit Abstand größten Teams am Markt haben.

 

LS: Sie haben seit der Gründung in Deutschland in der Tat ein erstaunliches Wachstum an den Tag gelegt, was mit Ihrer Aufnahme in das internationale Management der Kanzlei sowie der Ernennung zum Managing Partner Deutschland auch gewürdigt wurde. Wobei Sie vor einigen Jahren selbst noch der Meinung waren, eine klassische Managementstruktur brauche es nicht.

 

AP: Aufgrund unseres starken Wachstums brauchten auch wir klare Managementstrukturen, was aber nicht heißt, dass wir einen „top down“-Ansatz fahren. Wir stimmen alle entscheidenden Fragen wie seit unserer Gründung eng im Partnerkreis ab.

 

LS: Und wären Sie denn offen für Verstärkung von außen i.S.v. „lateral hires“?

 

AP: Grundsätzlich schon, wobei uns wichtig ist, dass jede neue Kollegin und jeder neue Kollege sich durch absolute fachliche Brillanz auszeichnen, gut zu unserem Team passen und sich für einen innovativen Ansatz bei der Rechtsdurchsetzung begeistern können. Ohnehin sind wir aber in der sehr glücklichen Position bereits hervorragende Kolleginnen und Kollegen zu haben, so dass wir in jedem Fall auch ein sehr starkes organisches Wachstum erwarten.

 

LS: Und wie rekrutieren Sie dann jüngere Kolleginnen und Kollegen?

 

AP: Da haben wir erfreulicherweise keine Probleme. Obwohl wir akademisch deutlich höhere Anforderungen stellen als viele andere Kanzleien, erhalten wir eine Vielzahl an herausragenden Bewerbungen. Das mag sicher zum einen daran liegen, dass wir in unserer Nische äußerst spannende Mandate haben und für unsere Mandantinnen sehr gute Erfolge erzielen konnten. Ich denke, das zieht auch junge Kolleginnen und Kollegen an, denen es heute umso wichtiger ist, auf der „richtigen Seite“ zu stehen und für eine „gute Sache“ zu kämpfen. Hinzu kommt, dass wir als Kanzlei sehr viel Wert legen auf eine kollegiale und faire Arbeitsatmosphäre inkl. geregelter Arbeitszeiten. Wir bieten unseren Anwältinnen und Anwälten zum Beispiel nicht nur die Möglichkeit in 80%-Teilzeit zu arbeiten oder 35 Urlaubstage im Jahr, sondern auch noch die Garantie, im Urlaub nicht gestört zu werden.

 

LS: Das heißt, Sie müssen sich nicht – wie sonst üblich – auf Fachmessen um die jungen Talente bemühen?

 

AP: Grundsätzlich nicht, wobei wir mit der für nächstes Jahr geplanten Teilnahme an der „Stick and Stones“-Messe hier ganz bewusst eine Ausnahme machen, da uns das Thema LGBTQ+ sehr am Herzen liegt. Das tun wir aus Überzeugung, auch weil wir als Kanzlei sehr divers sind, was ich großartig finde!

 

LS: Uns ist bei der Vorbereitung auf das Gespräch aufgefallen, dass Sie als Kanzlei atypische Profile wie eine Head of Economic Analysis and Legal Project Management oder eine Competition Economist beschäftigen.

 

AP: Als Kanzlei, die sich regelmäßig mit sehr komplexen Sachverhalten, riesigen Datenmengen und der Notwendigkeit konfrontiert sieht, ökonomisches und betriebswirtschaftliches Knowhow zu bilden, müssen wir uns multi-disziplinär aufstellen. Bei vielen Mandaten arbeiten wir grundsätzlich mit externen Ökonomen zusammen, deren Stundensatz am Rande bemerkt so manchen Großkanzleipartner neidisch machen dürfte. Hier ist aber der Austausch von Wissen und die Kommunikation teilweise herausfordernd, so dass wir intern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die diese Informationen kanalisieren und als Vermittler zwischen den Welten dienen. Wir haben in Deutschland 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nur dreißig davon Rechtsanwältinnen bzw. Rechtsanwälte. Gerade bei großen Mandaten bilden wir stets multidisziplinäre Teams, bei denen die Projektverantwortung gemeinsam von einem Counsel oder Senior Associate auf der einen Seite und einer/einem Projektmanager/Projektmanagerin getragen wird – natürlich unter der Hauptverantwortung eines Partners.

 

LS: Das klingt ja fast so, als ob Sie als Kanzlei neue Wege beschreiten?

 

AP: Absolut. Es ist unser Anspruch, für unsere Mandantinnen und Mandanten stets das Beste herauszuholen und dabei sind wir auch bereit, neue und innovative Wege zu gehen. So haben wir für unsere Mandanten Abtretungsmodelle aufgesetzt, die lange Zeit umstritten waren, aber erst kürzlich vom Bundesgerichtshof gebilligt worden. Ein weiteres Beispiel ist die Nutzung neuer Vorschriften zur Kontrolle der Marktmacht von Digitalunternehmen, z.B. den mittlerweile berüchtigten Tipping Paragrafen.

 

LS: Und worauf freuen Sie sich denn ganz besonders, wenn der Schriftsatz fertig ist?

 

AP: An erster Stelle natürlich meine Familie. Davon abgesehen ist meine große Leidenschaft aber American Football – meine Lieblingsteams sind aus der NFL die Los Angeles Rams, in Deutschland Rhein Fire.

 

LS: Lieber Herr Dr. Petrasincu, wir danken ganz herzlich für den kurzweiligen Austausch und freuen uns auf die gemeinsame Feier im Oktober!


 

English version:

The Juve Awards are coming soon. Laurence Simons is sponsoring this year’s Law Firm of the Year Award in Antitrust. Among the nominees is the US law firm Hausfeld, with whose German managing partner Dr. Alex Petrasincu, our colleagues Nicolai von Steinaecker and Alexander Gorny were able to talk about the nomination. In addition to Hausfeld’s nomination, we discussed the legal market in general – and how the law firm, as a very diverse employer with a working culture of respect and trust, managed to score exceptionally well with young talent.

 

LS: Hello, Dr. Petrasincu; thank you very much for taking the time to talk to us today and congratulations on being nominated again – all good things come in threes, so nothing stands in the way of the award in October?

 

AP: We certainly wouldn’t mind! In any case, we see the renewed nomination as an award for the successes we achieved for our clients last year.

 

LS: Maybe Juve Publishing should think about revising its ranking. You are always right up there with the big news and successes, but not in the handbook. Legal500 sees it differently.

 

AP: Yes and no, with our focus on antitrust law in digital markets and antitrust litigation, we serve a niche within the niche, and we are therefore generally pleased about the recognition. But you are right in that we have by far one of the largest teams on the market with 20 colleagues who work purely in antitrust law.

 

LS: Since you were founded in Germany, you have indeed shown astonishing growth, which was also recognised by your inclusion in the international management of the firm and your appointment as Managing Partner in Germany. A few years ago, you yourself believed there was no need for a classic management structure.

 

AP: Due to our strong growth, we also needed clear management structures, but this does not mean we take a “top-down” approach. We coordinate all crucial issues closely within the partner group, as we have done since our founding.

 

LS: Would you be open to external reinforcement in the form of “lateral hires”?

 

AP: In principle, yes, although it is important to us that every new colleague is distinguished by absolute professional brilliance, fits in well with our team and is enthusiastic about our innovative approach to legal enforcement. But anyway, we are in the very fortunate position of already having excellent colleagues, so we also expect robust organic growth in any case.

 

LS: And how do you recruit younger colleagues?

 

AP: Fortunately, we don’t have any problems. Although we have much higher academic requirements than many other law firms, we receive a large number of outstanding applications. One reason for this may be that we have extremely exciting mandates in our niche and have achieved very good success for our clients. I think this also attracts young colleagues, for whom it is all the more important today to be on the “right side” and to stand up and fight for a “good cause”. In addition, as a law firm, we attach great importance to a collegial and fair working atmosphere, including regulated working hours. For example, we offer our lawyers not only the possibility of working 80% part-time or 35 days of holiday per year but also the guarantee that they will not be disturbed while on holiday.

 

LS: That means you don’t have to go to job fairs – as is usually the case – to find young talent?

 

AP: Not really, although we are deliberately making an exception here with our planned participation in the “Stick and Stones” fair next year, as the LGBTQ+ issue is very close to our hearts. We do this out of conviction, also because we are very diverse as a law firm, which I think is great!

 

LS: When preparing for the interview, we noticed that as a law firm, you employ atypical profiles such as a Head of Economic Analysis and Legal Project Management or a Competition Economist.

 

AP: As a law firm that is regularly confronted with very complex issues, huge amounts of data and the need to build up economic and business know-how, we have to take a multidisciplinary approach. In many cases, we work with external economists, whose hourly rates, as a side note, might make some large law firm partners envious. Here, however, the exchange of knowledge and communication is sometimes challenging, so we have internal staff who channel this information and serve as mediators between the worlds. We have 70 staff in Germany, and only thirty of them are lawyers. Particularly with large mandates, we always form multidisciplinary teams in which the project responsibility is shared by a counsel or senior associate on one side and a project manager on the other (under the main responsibility of a partner, of course).

 

LS: That almost sounds like you are breaking new ground as a firm?

 

AP: Absolutely. It is our aim to always bring out the best for our clients, and in doing so, we are also prepared to go in new and innovative ways. For example, we have set up assignment models for our clients that were controversial for a long time but were only recently approved by the Federal Supreme Court. Another example is the use of new regulations to control the market power of digital companies, e.g. the now infamous tipping paragraph.

 

LS: And what are you looking forward to most when the brief is ready?

 

AP: First and foremost, my family, of course. Apart from that, my great passion is American football – my favourite teams are the Los Angeles Rams in the NFL and the Rhein Fire in Germany.

 

LS: Dr Petrasincu, thank you very much for the entertaining exchange, and we are looking forward to the joint celebration in October!